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Die Corona-Blondine – Teil 3

Die Corona-Blondine, Teil III

Man muss das Ganze auch positiv sehen – endlich bleibt nun Zeit für all die Dinge, die man schon längst in Angriff nehmen wollte… wie z.B. den ultimativen Roman zu schreiben, der mit Sicherheit sofort die Bestsellerlisten stürmen wird… oder ein geniales Serienkonzept zu entwickeln, um das sich sämtliche Streamingdienste reißen… der Kreativität und künstlerischen Freiheit sind keine Grenzen gesetzt. Jetzt, wo das Alltagsgeschäft gezwungenermaßen zum Erliegen gekommen ist, können die Gedanken wieder ungehemmt fließen, die Ideen nur so sprudeln…

 

Claudia Leins Blog

Nun ja… äh… vielleicht sollte ich vorher noch eine Kleinigkeit essen… mit leerem Magen kann doch kein Mensch arbeiten… schon gar nicht bei so einem wichtigen kreativen Prozess… wie ich übrigens gerade im Zuge einer (…natürlich ausschließlich investigativen…) Recherche im Internet gelesen habe, beansprucht das Gehirn rund 17 Prozent des Gesamtenergiebedarfs des Körpers… wow… kein Wunder, dass ich ständig so ausgehungert bin… erstaunlich ist dabei bloß, dass ich noch nicht unter akutem Untergewicht leide… sollte darüber mal bei einer Tasse Kaffee und einer Packung Schokoladen-Doppelkekse gründlich nachdenken…

So, nun aber wieder frisch ans Werk… ich kann bereits förmlich spüren, wie mich die Muse küsst… ach… äh… nein, das war nur der Hund mit seiner kalten Schnauze… igitt… wobei… ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft könnte eigentlich nicht schaden… um das Gehirn mal ordentlich durchzupusten, quasi… außerdem kommen einem draußen oft die besten Ideen… die Schönheit der Natur ist ja unglaublich inspirierend…

Danach schnell zurück an den Schreibtisch… jetzt gibt es kein Halten mehr, die Finger fliegen geradezu über die Tasten… und schon ist es vollbracht – der erst Satz steht! Okay, das erste Wort… aber immerhin… der Anfang ist schließlich das Schwerste… kann man überall nachlesen… doch wenn der erst mal gemacht ist, geht alles praktisch wie von selbst… oder so…

 

 

Hm… möglicherweise mangelt es mir einfach etwas an Inspiration… weshalb es eventuell nicht schlecht wäre, ganz kurz einen Blick in das aktuelle Netflixprogramm zu werfen… selbstverständlich rein interessehalber… bloß als Anregung, sozusagen… 

   Und morgen, da geht’s dann richtig los… garantiert!

Heldin des Internets

 Heldin des Internets

Ein Block…?! Wie bitte soll man denn damit die Welt an den faszinierenden Gehirnwindungen reizender Blondinen teilhaben lassen?! Davon abgesehen, dass meine Schrift jetzt nicht unbedingt… ach so, ein Blog… selbstverständlich ist mir das ein Begriff… schließlich bin ich ja nicht von gestern… und in den Neuen Medien durchaus bewandert… z.B. dieses… äh… Dings… mit den Videos… YouTube, genau… sag ich doch… oder Facebook… da wo man immer das Daumen-hoch-Zeichen anklicken kann… mit den vielen lustigen Gesichtern obendrüber… wie, liken?! Ja, äh… eigentlich auch egal, wie man das nennt… Hauptsache ist doch, dass ich so viele Freunde habe… fast 100… woran man deutlich erkennen kann, wie unglaublich beliebt ich bin… gerade eben erst kam wieder eine neue Freundschaftsanfrage rein… ein gewisser „Sweet Bear“ möchte mit mir befreundet sein… wie nett… kenne den Herrn zwar nicht, aber sein Profilfoto sieht sehr sympathisch aus… auch wenn er ein bisschen zu wenig anhat, für meinen Geschmack… werde ihn gleich mal darauf aufmerksam machen, dass ein knappes Tanga-Höschen bei diesen Außentemperaturen der Gesundheit nicht unbedingt zuträglich ist… 

Claudia Leins Blog

Jedenfalls… ein Blog, also… großartige Idee… sollte mir zunächst einmal überlegen, mit welchem Outfit ich meinen zahlreichen Lesern gegenübertreten möchte… wie?! Gut, von mir aus auch Follower… meine treue und umfangreiche Fangemeinde, halt… auf jeden Fall will das mit der äußeren Erscheinung gut überlegt sein… schließlich steht man als erfolgreiche Bloggerin ununterbrochen im grellen Licht der Öffentlichkeit… rote Teppiche… Interviews… Fototermine… was?! Natürlich muss ich dazu erst einmal einen Blog erstellen… schon klar…

Aber nichts leichter als das für einen Medienprofi wie mich… kurz etwas Handwerkszeug bereit legen… äh… hoppla… falsch… so, jetzt passt’s… gibt nämlich nichts Wichtigeres, als gepflegte Nägel beim Tippen…

Gut, dann… los geht’s… vorher vielleicht noch ganz kurz schauen, was sich zu dem Thema alles im Internet finden lässt… aha… Hosting… Domain… Plugins… ja, äh… interessant…

 

    Eine Frage drängt sich dabei allerdings förmlich auf: Brauche ich wirklich einen Blog?! Und was zur Hölle ist HTML…?!

Blondine goes Hollywood

Berlinale, ich komme! Wurde auch Zeit, dass ich endlich in den erlauchten Kreis der wirklich Wichtigen aufgenommen werde… man fragt sich sowieso, wie eine derartige Veranstaltung jemals ohne die Anwesenheit liebreizender, eloquenter, außerordentlich attraktiver und natürlich extremst intelligenter Blondinen… äh… nun ja… habe genau genommen nur einen Termin… welcher sich auch nicht direkt im Zentrum des allgemeinen Trubels befindet… also, ist eigentlich keine Einladung… mehr so… eine Art Gesprächsidee, quasi… aber davon darf man sich nicht aufhalten lassen… Eigeninitiative ist schließlich entscheidend, bei der Karriereplanung… mein Durchbruch steht kurz bevor, das hab ich im Gefühl…

 

Claudia Leins Blog

Mein Handgepäck ist zu schwer… versteh ich nicht… hab doch wirklich nur das Nötigste eingepackt… wer, bitte läuft schon einen ganzen Tag lang mit denselben Schuhen durch Berlin…?! Und ohne meinen eigenen Föhn fliege ich prinzipiell nirgendwohin… wie soll ich denn sonst mein Blondhaar in eine ansprechende und Berlinale-taugliche Form bringen…?! Außerdem habe ich mich dafür bei den Kosmetika stark eingeschränkt – nur vier von diesen durchsichtige Tüten… sozusagen der rudimentäre Grundbedarf… da kann man doch nicht meckern, oder?! Denn man darf eins nicht vergessen – Hugh Jackman soll sich in Berlin befinden… ich weiß, er ist verheiratet… aber nach 20 Jahren Ehe wird es definitiv langsam Zeit für einen geschmeidigen Blondinenwechsel, oder nicht?! Also bitte, soll ich dem Mann meines Lebens etwa ungeschminkt und mit zerzauster Frisur gegenüber treten…?! Zum Glück hatte die nette Dame am Schalter ein Einsehen… ebenfalls eine Blondine… schätzungsweise engstens mit derartigen Problemen vertraut…

Merkwürdig… keine einziger Journalist am Flughafen bei meiner Ankunft… nun gut, war jetzt auch alles etwas kurzfristig… bin sozusagen inkognito in Berlin… besser so… habe hier schließlich ernsthafte Dinge zu erledigen… lästige Paparazzi stören da nur… ah, die Produzentin hat sich gemeldet… Treffen findet im Café Einstein unter den Linden statt… gleich mal googeln… na bitte – eins der berühmtesten Kaffeehäuser Berlins, Politiker und Medienvertreter sitzen hier gerne bei einem Kaffee… offensichtlich eine total angesagte location… muss mir nochmal die Lippen nachziehen… falls ich fotografiert werden sollte…

Meine Verabredung verspätet sich… macht nichts… dann kann ich in der Zwischenzeit nach Prominenten Ausschau halten… allerdings ziemlich leer hier… 18:00 scheint in Berlin nicht die richtige Uhrzeit zum Ausgehen zu sein… dabei weiß doch jeder, dass der Schlaf vor Mitternacht der beste ist! Verspüre bereits eine leichte Müdigkeit… sehr bequem, diese Sitzbank, übrigens… sollte vielleicht mal ganz kurz die Augen… halt, ist das da vorne nicht Meryl Streep?! Ach nein, nur der Kellner… schon wieder… weiß nicht, was es an der Aussage „ich warte noch“ misszuverstehen gibt… werde trotzdem ein Glas Wasser bei ihm bestellen… ein kleines… ohne Kohlensäure… Leitungswasser, wenn möglich… ohne Eis und Zitrone… mit Strohhalm… und vielleicht schon mal ein bisschen Brot… kein Grund, mich deswegen derart anzupflaumen… sehr unfreundlich, diese Berliner Kellner, muss man schon sagen… ah, endlich – eine Nachricht von der Produzentin… sie schafft’s nicht mehr…


…ach… ja, ähem… gut, dann… gibt es in diesem Café irgendwo einen Hinterausgang…?!    

Voll durchgestartet

2020 wird alles anders… kein sinnloses Internet-Daddeln mehr, Schluß mit stundenlangem Abhängen vor dem Fernseher… stattdessen regelmäßig Yoga, gesundes Essen… und konzentriertes Arbeiten ohne Ablenkung… Disziplin ist das A und O… eine meiner leichtesten Übungen, übrigens… besonders was das konsequente und disziplinierte Leeren einer Gummibärchentüte angeht… inklusive dem Verzehr der weißen und gelben, wohlgemerkt… welche bekanntermaßen geschmacklich stark hinter den roten und grünen abfallen… nun ja… manchmal muss man eben tun, was getan werden muss…

 

Claudia Leins Blog

Zur optimalen Einstimmung auf dieses mit Sicherheit von unglaublichem Erfolg gekrönte Jahr bietet es sich an, Silvester dementsprechend zu begehen… sprich, Rückbesinnung und Innehalten statt hemmungsloser Partysause… in Klausur, gewissermaßen… herrlich, endlich Ruhe… und Zeit für mich… zufällig haben sich die Herren nämlich diesmal entschlossen, aushäusig zu feiern… perfekt… alleine kann man sich sowieso viel besser auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren… spirituell gesehen, quasi… ich werde ein wenig meditieren… philosophieren… mir Gedanken über die Lösung akut anstehender Probleme machen… wie z.B. der Erderwärmung, des Nahostkonflikts, der Flüchtlingsproblematik, etc. … vielleicht sollte ich mir vorsichtshalber die Nummer von Frau Merkel geben lassen… für den Fall, dass mir in diesen Fragen der entscheidende Durchbruch gelingt…

In Anbetracht dieser höchst verantwortungsvollen metaphysischen und geistigen Herausforderungen trifft es sich natürlich ausgesprochen ungünstig, dass die Nachbarn mich spontan zu einem Silvesterfest im kleinen Kreise eingeladen haben… eine Absage käme schließlich einem gesellschaftlichen Affront gleich… nicht auszudenken, was dies für weitreichende Folgen nach sich ziehen würde… aber selbstverständlich werde ich nur kurz bleiben… um der Höflichkeit genüge zu tun, sozusagen… ein, zwei Stündchen… maximal…

Ups… jetzt isses doch ein bisch… bisschen später geworden… war allerdings ein sehr indersss… interessanter Abend… zwar fand mein liebevoll zubereiteter veganer Eintopf nicht ganz den erhofften Anklang… unerklärlicherweise scheint man auf dem Land fettigen Fleischstücken den Vorzug vor Bio-Gemüse zu geben… merkwürdig… aber dafür wird Obst sehr geschätzt… vor allem in flüssiger Form… durch den Alkohol werden die Vitamine wohl noch zusätzlich konserviert… pra… praktisch… und sseehr gesund… jawohll! Habe außerdem wichtige neue Erkenntnisse gewonnen… es exisitiert anscheinend ein Radiosender namens Pallemm… Palermo, oder so ähnlich… auf dem ausschließlich Schlager laufen… Marianne Rosenberg… und Roland Kaiser… vermute, dass dahinter eine verdeckte Operation der CIA steckt… „Santa Maria“ und „Marleen“ in Dauerschleife dürften jeden Staatsfeind in die Flucht schlagen… 

   … muss das sofort Frau Merkel mitteilen… wo war denn jetzt nochmal ihre Nummer…?!

Oh du Fröhliche…

Sonntag
Noch sechs Tage bis Weihnachten. Die Herren haben eine Petition ans bayerische Familienministerium geschickt – sie wollen mich meines Amtes entheben, weil ich weder Plätzchen gebacken, noch Weihnachtsstimmung verbreitet habe. Baue auf die Überlastung von Frau Müller und habe meinerseits einen Hilferuf ans Christkind gesandt – ein bisschen Unterstützung wird man ja wohl verlangen dürfen! Im Keller endlich fündig geworden… gut, nicht die Kartons mit der Weihnachtsdeko, aber Ostereier sehen doch auch recht hübsch aus, am Christbaum… im Kerzenlicht… 

Claudia Leins Blog

Montag
Noch fünf Tage bis Weihnachten. Bin in der Küche auf kleine rundliche Frau mit Teigroller in der Hand gestoßen. Von den Herren die Info bekommen, dass die Familienministerin prompt reagiert, und eine Weihnachtsersatzmutter geschickt hat. Nach Weihnachten kann diese dann in jeder Gemeindeverwaltung zurückgegeben werden. Versucht, wieder Boden gut zu machen, indem ich den Kauf eines Weihnachtsbaumes in Angriff genommen habe… wer kann denn ahnen, dass ganz Bayern dieselbe Idee hatte?! Nach hartem Kampf kümmerliches Bäumchen ergattert. Der Nadelberg macht zumindest im Kofferraum meines Wagens ordentlich was her… Die Weihnachtsersatzmutter hat in der Zwischenzeit 37 Christstollen gebacken und damit das Wohnzimmer dekoriert. Keine Nachricht vom Christkind…

Dienstag

Noch vier Tage bis Weihnachten. Mit der entsetzlichen Erkenntnis aufgewacht, dass zu einem ordentlichen Heiligabend Geschenke gehören – kein Stück davon bis jetzt erworben… Mein Vorschlag gegenüber den Herren, sich dieses Jahr mal nichts zu schenken – als neue und spannende Erfahrung, quasi – wurde rüde mit glatter Mehrheit abgeschmettert. Daraufhin vorsichtigen Blick aufs Konto geworfen, was zu massiver Kreislaufschwäche geführt hat – unglaublich, was so ein Weihnachtsfest heutzutage kostet… Beim Betreten der Küche von Weihnachtsersatzmutter mit steinharten Pfeffernüssen beschossen worden – das Modell scheint etwas außer Kontrolle geraten zu sein. Immer noch keine Nachricht vom Christkind – ist das zu fassen…?!

Mittwoch

Noch drei Tage bis Weihnachten. Beim Versuch, in der Innenstadt irgendwelche Weihnachtsgeschenke zu erwerben, gerade noch mit dem Leben davongekommen. In der Drehtür eines Haushaltswarengeschäftes mit einem rotierenden Bratentopf kollidiert. Gusseisern. Hübsch, die Sternchen vor den Augen… sehr weihnachtlich… können allerdings in Verbindung mit offenbar gesundheitlich bedecklichen Glühweindämpfen auch ohne Genuss desselben zu leichtem bis mittelschweren Delirium führen. Zuhause bei Besichtigung der Beute festgestellt, dass eine der Einkaufstüten wohl vertauscht worden ist – statt pädagogisch wertvoller Literatur für die Herren bin ich nun im Besitz von einem guten Dutzend wollener Herrenunterhosen, Größe XL. Mit Eingriff.

Donnerstag

Noch zwei Tage bis Weihnachten. Die Weihnachtsersatzmutter hat sich in der Küche verbarrikadiert und bombadiert jeden mit Lebkuchen, der es wagt, den sorgfältig aufgeschichteten Früchtebrotwall zu besteigen. Diese Maßnahme vom Familienministerium war wohl noch nicht ganz ausgereift… zumindest ist nun genügend Gebäck vorhanden. Vor der Haustür das Christkind im manischen Zickzacklauf entdeckt – eindeutig Burnout-Syndrom. Psychiatrischen Notdienst gerufen – Christkind wurde in Klinik abtransportiert. Den Nachbarn mit den wollenen Unterhosen beschenkt. Stieß jedoch nicht auf ungeteilte Zustimmung – die Größe des Eingriffs war wohl das Problem… Auf der Suche nach Schutz vor dem Beschuss aus der Küche endlich die Kisten mit dem Weihnachtsschmuck entdeckt. 

   

Halleluja – jetzt kann nichts mehr schiefgehen!