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Samstag

Der Plätzchen-Countdown läuft – dieses Jahr werde ich es endlich schaffen, meine Nachbarin beim Plätzchenbacken zu überholen. Habe dazu schon vor Wochen heimlich eine gut versteckte Kamera vor dem Küchenfenster der Dame installiert, so dass mir keinerlei feindliche Backbewegungen im nachbarlichen Hause entgehen. Bis jetzt alles ruhig – laut Aufzeichnung der Mini Cam wurden noch nicht einmal Backzutaten käuflich erworben. Werde zur Sicherheit sämtlich Mehl- und Zuckervorräte im Umkreis von 10 Kilometern aufkaufen, um meinen Vorsprung zu halten.

 

Claudia Leins Blog

Sonntag

Verdammt – ein Kleinlaster vor dem Hause der Nachbarn versperrt mir die Sicht auf den Ort des Geschehens. Anscheinend hat sich die Nachbarin ihre Backzutaten im Internet besorgt – geschickter Schachzug, den ich bei meiner Planung leider nicht bedacht hatte. Ärgerlich… dabei habe ich mich genau an die Regeln aus dem Handbuch für die Kunst des Krieges gehalten…  hätte mir ja auch mal jemand sagen können, dass es bei den Chinesen im 18. Jahrhundert noch kein Internet gab.

Montag

Beim Auswechseln der Kamera vom Baum gefallen. Durch den Krankenhaus-Aufenthalt ging wertvolle Backzeit verloren, die nun dringend aufgeholt werden muss. Wenn ich das leider etwas unscharfe Bild durch mein Fernglas richtig interpretiere, ist die Nachbarin immer noch bei der Zubereitung des Stollen- und Lebkuchen-Gebäcks. Spontan beschlossen, meinen Zeitplan abzuändern – werde mit den Butterplätzchen starten. Eine radikale, aber unumgängliche Maßnahme.

Dienstag

Die Zeit wird knapp – habe im Nachbarhaus einen als Schokoladen-Nikolaus getarnten Spion eingeschleust, der mir stündlich über die Backfortschritte in der feindlichen Küche Bericht erstattet. Wie ich seinen – allerdings durch das Rascheln des Stanniol-Papiers etwas verzerrten – Äußerungen entnehme, befindet sich die Nachbarin gerade beim Verzieren des Spitzgebäcks. Werde knallhart mit Vanillekipferln kontern – wäre doch gelacht, wenn ich diesmal nicht den Sieg davon tragen würde!

Mittwoch

Die Schlacht ist vorbei. Nach tagelangen Kampfhandlungen mit schweren Verlusten auf beiden Seiten – der Kater der Nachbarn erlitt einen Zuckergussschock und liegt seitdem im Plätzchen-Koma, und hier sind dem feindlichen Beschuss mit scharfen Kokosmakronen ein Adventskalender, sowie zwei Rauschgoldengel zum Opfer gefallen – wurde ein Waffenstillstand zwischen den beiden Parteien geschlossen. Allerdings erst nach Einschreiten der NATO und einer bewegenden Ansprache von Bundespräsident Steinmeier.

Es wurde vereinbart, die Waffen bis nach den Feiertagen ruhen zu lassen, um es den jeweiligen Streitkräften zu ermöglichen, genügend Munition für den danach unmittelbar bevorstehenden Ostergebäck-Wettkampf zu beschaffen.    

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